Mit dem Klassenboot der Kielzugvogel KV Regatta Segeln - Halbzeit: Ein erster Erfahrungsbericht
Gesagt, getan. Schnell war das Boot für uns bereitgestellt. Von der Nummer 4110 (ein Linnekuhl) hatten wir bereits viel gehört, denn das Schiff hatte auf anderen Regatten schon eine sehr gute Figur gemacht. Eine Woche vor Ostern konnten wir das Boot in technisch perfektem Zustand übernehmen, neu vermessen und direkt über Ostern mit unserer ersten Trainingeinheit starten.
Die erste Regatta fand am Kemnader See statt und war von sehr schwachen Winden geprägt. Gesegelt wurde letztlich nur an einem Tag und wir landeten im Mittelfeld. Nicht alles lief glücklich zusammen, aber es war ein solider Auftakt.
Die zweite Regatta führte uns an das Steinhuder Meer. Dort erwarteten uns extreme Bedingungen mit sehr viel Wind. Auch hier konnten wir nur den ersten Tag segeln. Am zweiten Tag herrschten dann gegensätzliche Verhältnisse mit kompletter Flaute, sodass wir den frustrierenden ersten Tag nicht mehr korrigieren konnten. Wir bekamen das Boot einfach nicht schnell. Wenn nach einem guten Start die Höhe nicht gehalten werden kann, dann ist das schon gehörig frustrierend. Da fielen die taktisch nicht immer richtigen Entscheidungen schon fast gar nicht mehr ins Gewicht. Wir hatten insgesamt ein gebrauchtes Wochenende. Enttäuschung und Frust machten sich breit.
Die anschließende Pause nutzten wir intensiv. Wir stellten das Boot neu ein, analysierten unsere Fehler und diskutierten ausführlich über mögliche Verbesserungen. Sowohl am Material als auch an unserer seglerischen Herangehensweise.
Am Rursee konnten wir diese Veränderungen erstmals in die Tat umsetzen. Der Start verlief alles andere als verheißungsvoll, denn auch dort begann die Regatta mit einem schwachen ersten Rennen. Doch wir arbeiteten uns zurück und lieferten insgesamt einen guten ersten Tag ab. Am zweiten Tag erwarteten uns tolle Bedingungen auf einem wunderschönen Revier. Der Rursee präsentierte sich von seiner besten Seite, das Clubhaus war hervorragend, die Organisation ebenso, und gemeinsam mit weiteren Klassen entstand ein tolles Regattawochenende. Mit einer konstanten und sauberen Leistung konnten wir uns schließlich den 3. Platz sichern.
Nach einer weiteren Pause ging es an den Baldeneysee. Gemeinsam mit drei weiteren Klassen erwartete uns eine anspruchsvolle Regatta. Für den ersten Tag waren bis zu 25 Knoten Wind angekündigt. Und diese Vorhersage wurde sogar noch übertroffen. Vor dem Wind erreichten wir mit dem Boot Geschwindigkeiten von bis zu zwölf Knoten. Einen Zugvogel auf Downwind Kurs ins Gleiten zu bringen, erlebt man auch nicht alle Tage.
Das Trauma vom Steinhuder Meer saß zwar noch tief, doch die vorgenommenen Verbesserungen griffen. Auch bei diesen starken Winden kamen wir nun deutlich besser zurecht. Wir hatten das Boot unter Kontrolle, bekamen es schnell und segelten konstant an der Spitze des Feldes. Nach dem ersten Tag lagen die Plätze eins bis drei eng beieinander.
Am zweiten Tag konnten wir mit etwas weniger Wind unsere Leistung bestätigen. Direkt im ersten Rennen gelang uns ein Sieg vor unserem stärksten Konkurrenten. Vor dem letzten Rennen war die Ausgangslage klar: Platz 1 oder wir mussten mindestens ein Boot zwischen uns und unserem direkten Verfolger ins Ziel bringen. Nach einem schwierigen Start lagen wir zunächst nur auf Rang fünf, blieben im Verkehr an der Luvtonne hängen und verloren wertvolle Meter. Doch wir blieben konzentriert, kämpften uns zurück und konnten das Rennen noch auf Platz zwei beenden. Damit lagen am Ende sogar zwei Boote zwischen uns und unserem Verfolger. Der Gesamtsieg war perfekt.
Kurz gesagt: Die erste Hälfte unserer Saison war geprägt von schwierigen Bedingungen, kühlen Temperaturen und durchwachsenen Ergebnissen. Doch unsere Leistungen haben sich von Regatta zu Regatta deutlich gesteigert. Die letzten beiden Veranstaltungen haben gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
Mindestens genauso positiv für uns ist, Teil der Kielzugvogel Klassengemeinschaft zu sein. Wir werden überall herzlich aufgenommen und erleben sportlichen Ehrgeiz der mit toller Kameradschaft Hand in Hand geht.
Nun heißt es zunächst Kräfte sammeln und den Blick auf die Warnemünder Woche richten. Dort wartet mit der Internationalen Deutschen Meisterschaft ein großes Revier, Welle, ein starkes Feld und eine für uns als Team völlig neue Herausforderung. Wir reisen mit dem Selbstvertrauen aus den letzten beiden Regatten an, bringen aber gleichzeitig den nötigen Respekt vor den Bedingungen und der sehr starken Konkurrenz mit. Unser Ziel ist zunächst einen soliden und vielleicht auch guten ersten Tag auf‘s Wasser zu bringen und somit Schwung für die Woche mitzunehmen.
Stefan & Hardy
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